Ärzte hospitieren am EK Unna

Nachricht vom: 29. April 2010

Geringeres Risiko bei vollem Bewusstsein

Unna. Für viele Betroffene ist es ein Segen: Das Evangelische Krankenhaus ist eine der wenigen Kliniken in Deutschland, in denen Patienten, die an der Halsschlagader operiert werden, bei vollem Bewusstsein sind. Möglich machen das modernste Ultraschallgeräte, die den Anästhesisten bei der Betäubung von Körperregionen den Weg weisen. Der Erfolg dieser innovativen Methode spricht sich auch in der Fachwelt herum: Vergangene Woche hospitierten mehrere Ärzte am EK Unna.

Einer von ihnen ist der Anästhesist Dr. Steffen Schmidt, Oberarzt an den DRK-Kliniken Berlin-Mitte. Das Krankenhaus in der Hauptstadt bekommt für die Gefäßchirurgie einen neuen Chefarzt, der bei Operationen an der Halsschlagader wie die Ärzte am EK Unna auf den Einsatz von lokalen Betäubungsverfahren setzt. Diese Methode verspricht den Operateuren ein höheres Maß an Sicherheit: Da während der Operation eine Halsschlagader für etwa 20 Minuten abgeklemmt wird, um von Kalkablagerungen befreit zu werden, wird das Gehirn in dieser Phase schwächer durchblutet. Um hierbei Schädigungen frühzeitig zu erkennen und verhindern zu können, benötigen die Ärzte eine zuverlässige Überwachungsmöglichkeit der Gehirnfunktionen. Während bei einer Operation in Vollnarkose sehr aufwändige Hirnstromuntersuchungen Standard sind, setzen innovativen Kliniken auf die neurologische Untersuchung des wachen Patienten, der lediglich lokal betäubt ist. So unterhalten sich die Ärzte während des Eingriffs mit dem Patienten, stellen ihm Fragen und Rechenaufgaben oder testen die motorischen Fähigkeiten, indem sie ihn eine Quitsche-Ente drücken lassen. „Es gibt keine bessere Überwachungsmöglichkeit als den wachen Menschen“, sagt Dr. Johannes Wilde, Chefarzt der Klinik für Gefäßchirurgie am EK Unna. Bei einer Vollnarkose wäre das nicht möglich.
Um die seitliche Halsregion zu betäuben, greifen die Anästhesisten neuerdings auf hochauflösende Ultraschallgeräte zurück. Diese machen selbst feinste Körperstrukturen wie sehr kleine Nerven und Gefäße sichtbar. Die Anästhesisten können hierdurch das Betäubungsmittel sehr nahe an das Nervengeflecht der Schlagader injizieren. Der Vorteil: Sie benötigen nur eine verhältnismäßig geringe Menge an Betäubungsmitteln, um die Region komplett zu betäuben. Allerdings: Um das sensible Nervengeflecht im Ultraschallbild richtig erkennen zu können, sind sehr präzise Kenntnisse notwendig – Kenntnisse, die Dr. Wolf Armbruster in Workshops oder in der täglichen Praxis vermittelt.
Das Evangelische Krankenhaus Unna nimmt beim Einsatz der ultraschallgesteuerten Regionalanästhesien eine Vorreiterrolle ein: Bereits über 3.000 Mal haben Dr. Armbruster und sein Team das Verfahren in den vergangenen drei Jahren angewandt, dabei circa 300 Mal bei Operationen an der Halsschlagader – und dabei ausnahmslos gute Erfahrungen gemacht. Zum Vergleich: Bisher wird das Verfahren nur an zirka zehn Prozent aller Kliniken in Deutschland angewandt. Entsprechend gefragt sind die Erfahrungen, die Dr. Armbruster und seine Mitarbeiter gesammelt haben. Das EK Unna ist eines von nur sechs Ausbildungszentren der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin für den Bereich Anästhesiologie. Der Chefarzt gibt das Wissen in Workshops deutschlandweit an andere Ärzte weiter – so etwa im vergangenen Jahr an der Universität Kiel, den Asklepios Kliniken Parchim sowie beim Hauptstadtkongress in Berlin. Noch vor gut zwei Wochen referierte er in Bochum auf einem der renommiertesten Workshops Deutschland und hielt vier Gastvorträge zum Thema, in zwei Wochen referiert er in den Helios-Kliniken Erfurt. Im Gegenzug besuchen Ärzte regelmäßig das EK Unna, um sich über den Einsatz des Verfahrens bei Operationen an der Halsschlagader weiterzubilden. So wie Dr. Steffen Schmidt: Bei drei Operationen an der Halsschlagader schaute er den Anästhesisten aus dem EK Unna über die Schulter.

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