Unnas Krankenhäuser zeigen Flagge gegen geplante Krankenhaus-Reform

So nicht! Mit einem deutlichen „Nein“ wenden sich die drei Unnaer Krankenhäuser vereint gegen die geplante Krankenhaus-Reform der Bundesregierung. Sowohl in der Hauptstadt als auch vor den Türen der heimischen Kliniken werden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deshalb am Mittwoch, 23. September,  ihren Protest deutlich zeigen.

„Krankenhäuser, die aufgrund ihres Leistungsspektrums und ihrer Qualität stetig jährliche Zuwachsraten verzeichnen, werden nicht unterstützt sondern sogar besonders bestraft“, schildert Dr. med. Dietmar Herberhold, Stiftungsvorstand des Evangelischen Krankenhauses (EK) Unna. Und Christian Larisch, Geschäftsführer des Katharinen-Hospitals, ergänzt: „Es ist an der Zeit, dass die Politik Krankenhäuser als Einrichtungen der Daseinsvorsorge versteht. Mitarbeiter haben einen Anspruch für Ihren Einsatz entsprechend vergütet zu werden und nicht in jedem Jahr hierzu die Produktivität steigern zu müssen.“ Solidarisch erklärt sich zu diesem Protest Michael Radix als Geschäftsführer des Lebenszentrums Königsborn und unterstreicht die Notwendigkeit einer ausreichenden Investitionsfinanzierung durch Bund und Länder.

Am 21. September nahmen die drei Klinik-Chefs in einer gemeinsamen Pressekonferenz zu dem geplanten Krankenhaus-Struktur-Gesetz Stellung. Das Gesetz sieht unter anderem  weitere Kürzungen durch den Wegfall des Versorgungszuschlages vor sowie den Mehrleistungsabschlag von jetzt 25 Prozent auf bis zu 50 Prozent anzuheben. Dieses System der Mehrleistungsabschläge könne in einem Jahr eine bis zu siebenstellige Summe bedeuten, die den Kliniken verloren ginge, so die drei Unnaer Krankenhaus-Experten.

Hinzu kommen weitere, im Gesetzesvorschlag vorgesehene Kürzungen wie Preiskürzungen bei Fallpauschalen, der Fixkostendegressionsabschlag und steigende Löhne und Gehälter, die nicht durch Steigerungsraten im Budget aufgefangen werden. Die Folge: Den Krankenhäusern bleiben immer weniger Steuerungsmöglichkeiten, sich zu entwickeln und in die Zukunft zu investieren. Für das Personal und damit letztlich die Patienten ein denkbar schlechtes Szenario bereits aktuell, da auch jetzt schon Krankenhäuser mit knappen Ressourcen agieren müssen.

Der Schulterschluss der Unnaer Krankenhäuser wird am kommenden Mittwoch, 23. September, unterstützt von sichtbaren Protestaktionen. Das EK Unna und der Katholische Hospitalverbund Hellweg setzen zwei Reisebusse mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zur bundesweit zentralen Protestkundgebung gegen die Krankenhaus-Reform in Berlin ein. Vor Ort wird die bundesweite Initiative der Deutschen Krankenhaus-Gesellschaft begleitet von einer „Aktiven Mittagspause“, in der das Krankenhaus-Personal aller Abteilungen Luftballons mit Postkarten an den Deutschen Bundestag zum Zeichen des Protests aufsteigen lässt – in der Hoffnung, dass sich dieser Gesetzentwurf in Luft auflöst!

Termine

Aktive Mittagspause im EK Unna:

Mittwoch, 23. September, 13.45 bis 14 Uhr, Vorplatz Haupteingang.

Aktive Mittagspause im Katharinen-Hospital:

Mittwoch, 23. September, 13.45 bis 14 Uhr, vor dem Haupteingang.

Zum Hintergrund ein Beispiel für die Kürzungssystematik der Reform:

Ein Krankenhaus muss mehr als zwölf Monate im Voraus planen, wie viele Patienten im nächsten Kalenderjahr voraussichtlich behandelt werden. Werden diese Zahlen übertroffen, muss die Klinik einen so genannten Mehrleistungsabschlag zahlen, d.h. die Mehreinnahmen werden mit Abschlägen bestraft, in Zukunft bis zu 50 % der Einnahmen. Dem gegenüber stehen der Versorgungsauftrag eines Krankenhauses und die demografische Entwicklung in der Bevölkerung, die immer ältere Menschen mit erhöhtem Behandlungsbedarf nach sich ziehen.